Ausstellung

Offensichtlich sehenswert

Galerie der Volksbank Dreieich eG
24. Februar bis 27. Mai 2015

Auszug aus der Eröffnungsrede von Kunsthistorikerin Esther Erfert

„Mazura widmet sich den ‚kleinen Dingen‘, die uns täglich umgeben und die uns ständig wieder begegnen, die wir jedoch nicht mehr sehen oder auch nicht mehr sehen können, da die Gewohnheit uns für sie blind gemacht hat. […] Er sagt schon mit dem Titel: achte auf sie, denn sie sind offensichtlich sehenswert.

Daniel Mazura schaut hin, hat den Blick auf Objekte gerichtet, die uns teilweise durch das Leben führen und uns Hilfen geben, er sieht Szenen, die sich am Rand seines Alltags oder einer Reise abspielen, Stimmungen, die durch Licht und örtliche Begebenheiten entstehen.
Er entdeckt verlorene, vergessene oder nicht mehr benötigte Gegenstände.
Seine fotografische Aufmerksamkeit gilt an bekannten Orten nicht unbedingt den Sehenswürdigkeiten, nicht den Besonderheiten; er sucht nach dem ‚anderen‘, nach dem, was hinter der Schönheit oder dem Historischen verborgen liegt. Dort entdeckt er zum Beispiel Hauswände, die durch Verwitterung und durch den Verfall eine beachtenswerte Ästhetik bekommen haben, Liegengelassenes, Pfosten oder Spuren, die ihn durch ihre Form, ihre Zusammenstellung und/oder ihre Farbigkeit reizen. Hier und da taucht auch ein Mensch auf. […]

Mazura öffnet uns die Augen, rückt das Banale in den Mittelpunkt, erhebt es zum Motiv und gar zur Kunst. Er schärft unseren Sinn für das für uns unsichtbar gewordene und bewirkt, wie er mir erzählt hat, bei Menschen, die seine Fotos gesehen haben, eine andere Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens. Schauen wir uns Fotos mit Straßenmarkierungen, Lastwagenspuren im Matsch auf einer Baustelle oder ein verlorenes Stück Papier an, erkennen wir wie ästhetisch das eigentlich Unspektakuläre sein und wie spektakulär es auf einmal durch den Blick des Fotografen werden kann. […]
Mazura ‚malt‘ mit der Kamera Bilder des Alltags. Die Ästhetik und die Kraft der Fotografien resultieren aus einem harmonischen Aufbau und einem Blick für das Banale und die Fähigkeit dieses in Szene zu setzen. Der Inhalt wird irrelevant, weil es letztendlich nicht um Inhalte geht. Durch die Fotografie fokussiert er den Blick auf das Belanglose, hebt es heraus und macht es beachtenswert.“